Montag, 26. Oktober 2015

Der Ursprung Halloweens 


"Hello-was???", das ging vor 30 Jahren sicher den meisten Deutschen durch den Kopf, wenn sie mit dem Begriff Halloween konfrontiert wurden. Mit der fortschreitenden "Amerikanisierung" und Vermischung der Kulturkreise ist der Halloween-Brauch Anfang der 1990er Jahre auch zu uns nach Deutschland gekommen. Und bis heute wird keine saisonale Festlichkeit ähnlich kontrovers diskutiert wie diese. So kritisieren Traditionalisten das Vergessen christlicher Werte auf Kosten einer konsum- und spaßorientierten Merchandise-Maschinerie. Gerade die evangelische Kirche in Deutschland sieht mit Bestürzung einen ihrer wichtigsten Feiertage in Gefahr. Denn der 31.10. ist Reformationstag, also der Tag, an dem Martin Luther seine Thesen veröffentlicht und damit den geistigen Umbruch, in der bis dato katholisch dominierten Kirchenwelt eingeläutet hat. Allerheiligen, ein weiterer kirchlicher Feiertag der am 1.11. jährlich begangen wird, dient den meisten feierwütigen Halloweenfans nach Ansicht der Kritiker, lediglich noch als willkommener Regenerationstag, der zum Ausschlafen genutzt wird, aber dessen ursprüngliche Bedeutung immer weiter verblasst.

Anders als von den meisten angenommen, liegt der Ursprung Halloweens nicht in der amerikanischen Spaßgesellschaft begründet. Irische Einwanderer haben das Brauchtum aus ihrer Heimat mit in die "neue Welt" Amerika gebracht. Das heutige Halloween ist eine Verschmelzung verschiedenster Kultureinflüsse. Der Name Halloween leitet sich aus dem "All Hallows Evening", also dem Abend vor Allerheiligen ab und hat damit katholische Wurzeln. Das keltische "Samhain" kann als Ursprung des Brauchtums gesehen werden. Am 31.10. jeden Jahres seit dem fünften Jahrhundert v. Chr. feierten die Kelten ihren Neujahrstag. Der keltische Volksglaube besagt, dass an diesem einen Tag sich die Welten der Toten und der Lebenden vermischen. Es war auch somit der einzige Tag, an dem der Tote die Chance hatte an ein Leben nach dem Tod zu gelangen, indem er von der Seele eines Lebenden Besitz ergriff. Die Menschen nutzten gruselige Verkleidungen zur Abschreckung und um von den Toten nicht als Mensch erkannt zu werden. Sie zogen laut lärmend in ihrer wüsten Maskerade umher und versuchten die Geister zu verjagen. Schon die alten Römer übernahmen das keltische "Samhain" in ihre Kultur. Allerdings haben sie den Brauch abgewandelt und an ihren Glauben angepasst.

"Trick or Treat" nennt man die Tradition, dass verkleidete Kinder von Haus zu Haus ziehen und um Süßigkeiten und kleine Geschenke bitten. Wird ihnen eine Gabe verwehrt "rächen" sich die Kinder mit Streichen für das Fehlverhalten des Hausbesitzers. Auch dies hat seinen Ursprung in der katholischen Kirchengeschichte. An Allerseelen, also dem 2.11., gingen im Mittelalter europäische Christen in den Dörfern von Tür zu Tür und erbaten den sogenannten "Seelenkuchen". Je mehr sie davon erhielten, desto mehr versprachen sie für die Verstorbenen der Gönner zu beten.

Ein anderes typisches Halloweensymbol ist der kunstvoll zu einer Fratze geschnitzte Kürbis, der die dunklen Nächte schaurig erhellt. Dieser Brauch geht auf eine irische Sage zurück. Jack war ein gerissener, aber leider häufig betrunkener Mann, der es schaffte, Satan auf einen Baum zu locken um ihn dort mit einem eingeritzten Kreuz festzusetzen. Um sich aus seiner misslichen Lage zu befreien, versprach Satan Jack, dass dieser nie wieder Angst vor ihm haben müsse. Auf Grund dieses Deals mit dem Teufel wurde Jack nun aber nach seinem Tode der Eintritt ins Himmelreich verwehrt. Doch auch der immer noch verärgerte Teufel verwehrte Jack den Eintritt in die Hölle und übergab ihm lediglich eine ausgehöhlte Rübe, in die er ein Stück glühende Kohle legte. Von da an wandelte Jack mit seiner Laterne durch die Nacht. Ursprünglich benutzten die Iren Rüben für ihre Laternen, doch mit der Besiedlung Amerikas mussten sie sich den gegebenen Umständen anpassen und es war deutlich einfacher Kürbisse als Rüben zu bekommen.

Der Brauch um Halloween ist deutlich älter und vielseitiger, als manch einer bestimmt vermuten würde. Seit über 2000 Jahren wird dieses Fest von den unterschiedlichsten Kulturen begangen und ich finde es schön, dass auch wir in unserer Gesellschaft flexibel sind und offen für verschiedenste Traditionen. Die christliche Kultur diente jahrhundertelang als Grundlage der deutschen Brauchtumsbildung, jedoch finde ich, sollten wir uns nicht dem gesellschaftlichen Wandel verschließen. Denn jede Tradition hat irgendwann seinen Ursprung in genau so einem Wandel gehabt. Ob man nun Halloween feiert oder die Toten an Allerheiligen ehrt, das sollte doch jedem Einzelnen überlassen bleiben.

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