Mittwoch, 11. November 2015

Rezension C.M. Spoerris "Die Greifen-Saga: Die Ratten von Chakas"

Bewertung 4 Sterne 


Inhalt: 

Mica und ihr Bruder Faìm leben, nachdem ihre Eltern ermordet wurden, im Untergrund unterhalb der Stadt Chakas, als sogenannte Kanalratten. Sie haben Schutz und Zuflucht bei einer Bande gefunden, die sich durch Diebstähle am Leben hält. Mica träumt davon, gemeinsam mit ihrem Bruder irgendwann ein vollwertiges Mitglied der Diebesgilde zu werden und ihrem erbärmlichen Leben als Kanalratte zu entfliehen. Doch alles kommt anders. Um das Leben ihres Bruders zu schützen, wird Mica gezwungen einen gefährlichen Auftrag anzunehmen. Sie soll den Eisdolch, ein wertvolles magisches Artefakt, stehlen. Während ihrer heiklen Mission trifft sie auf den Dieb Cassiel. Dieser entdeckt in dem schmutzigen und hageren Mädchen Magie und einiges an nützlichem Potential, was ihn dazu bringt Mica zu helfen ihren Bruder zu retten. Doch das kommt zu spät. Obwohl Mica das Artefakt beschafft, hat der Anführer ihrer Bande die Abwesenheit genutzt und Micas kleinen Bruder davon gejagt. Hier trennen sich die Geschichten der Geschwister und beide erleben eine tiefgreifende Wendung ihres gesamten Lebens. Während Mica durch Cassiel die Chance hat, in die Diebesgilde aufgenommen zu werden, erwacht Faìm auf einem Schiff und wird dort vom Kapitän als Schiffsjunge angeheuert. Werden die Geschwister sich je wiedersehen?

Schreibstil: 

Die Autorin C.M. Spoerri hat einen recht flüssigen und angenehmen Schreibstil, der sehr bildreich und detailliert eine fremdartige Welt im Kopf entstehen lässt. Obwohl mir das Lesen großen Spaß gemacht hat, bin ich doch über einige Sätze und Passagen gestolpert, die den Lesefluss gestört haben. Bei einigen komplexeren Satzstrukturen oder Ausdrücken musste ich mehrmals drüber lesen, um mir sicher zu sein, den Inhalt richtig verstanden zu haben. Aber vielleicht liegt das auch an kleinen sprachlichen Unterschieden zwischen Schweizerdeutsch und Deutsch. Die Autorin schafft mit ihren Worten eine angenehme Atmosphäre, die einen von Kapitel zu Kapitel trägt und die Neugier weckt, wie es im zweiten Teil wohl weiter gehen wird. Dabei führt die Autorin liebevoll jeden einzelnen Charakter ein und vertieft in drei separaten Handlungssträngen die Besonderheiten der Protagonisten.

Charaktere: 

Mica: Die 16-jährige ist eine der Hauptfiguren des Buches. Nach dem Tod ihrer Eltern, hat sie die Verantwortung für sich und ihren kleinen Bruder übernommen und sorgt für dessen Überleben. In ihren jungen Jahren muss sie sich hierbei schon den grausamen Schattenseiten des Lebens stellen. Mica wirkt auf den ersten Blick sehr stark und abgebrüht, wird im Verlauf des Buches jedoch auch von einer anderen Seite gezeigt. Die Sehnsucht nach einem Zuhause und Menschen, denen sie vertrauen kann, kristallisiert sich in jedem Kapitel mehr und mehr heraus. Diese Vielschichtigkeit schafft Tiefe und macht Mica sympathisch. Der Leser bekommt durch diese vielen Facetten die Möglichkeit sich mit dem Charakter zu identifizieren. Sturheit, Ehrlichkeit, jugendliche Unbedarftheit und eine, für ihr Alter erstaunliche Menschenkenntnis, runden das Profil von Mica ab.

Faìm: Der kleine Bruder von Mica wird zu Beginn des Buches als kränkliches und unselbstständiges Kind dargestellt, das in seiner Schwester einen Mutterersatz gefunden hat und bedingungslos auf sie angewiesen ist. Erst mit dem Beginn seines eigenen Abenteuers auf der Smaragdwind wird klar, dass mehr in dem Jungen steckt, als er selbst ahnen kann. Die harte Arbeit auf dem Schiff, aber auch die Menschen die ihn dabei begleiten, wecken ungeahnte Kräfte in ihm. Reicht diese Stärke jedoch aus, um sein Leben zu retten? Der Kuss einer Meerjungfrau wird zur großen Prüfung für Faìm. Erliegt er ihrem Charme und bezahlt es mit seinem Leben, oder wird er die Standhaftigkeit haben sich zu wehren? Dies sind spannende Fragen, die wahrscheinlich erst im zweiten Band geklärt werden. Damit erkennt man, dass die Entwicklung des Charakters noch nicht abgeschlossen ist und man wird neugierig, wie sich Faìm entwickelt.

Nethan: Gegen Ende des Buches wird noch der Magier Nethan als einer der Hauptcharaktere eingeführt. Im ersten Moment ist nicht ganz klar, welche Rolle diese Figur in der Greifensaga spielt. Es irritiert etwas und man braucht einen Moment, um den neuen Handlungsstrang einordnen zu können. Am Ende des Buches bekommt man dann aber doch eine ungefähre Vorstellung davon, wer Nethan ist und welcher Vergangenheit er sich stellen muss. Ich bin gespannt, ob sich meine Annahmen im zweiten Band dahingehend bestätigen werden, oder ob die Autorin noch weitere Überraschungen geplant hat.

Fazit: 

Ein interessantes und vielschichtiges Buch, das Lust auf mehr macht. Der Einstieg wirkt sehr langgezogen und es fiel mir in den ersten Abschnitten manches mal schwer den ausführlichen Beschreibungen der Autorin zu folgen. Je weiter ich jedoch im Buch kam, desto leichter viel es mir in die Szenerie abzutauchen. Während sich die erste Hälfte noch etwas schleppend hinzog, hat mich die zweite Hälfte vollkommen überzeugt. Die außergewöhnliche Vielfalt an Fantasy-Figuren, die die Autorin geschickt in die Handlung einbindet, hat mich in den Bann gezogen und es mir unmöglich gemacht, das Buch aus der Hand zu legen. Ich freue mich auf den zweiten und dritten Band und hoffe, dass die Autorin an diesen Erfolg anknüpfen kann. Die Mischung aus einfachem Leben, Magie und Fabelwesen hat mich begeistert und beeindruckt.So habe ich die letzte Hälfte des Buches in einer Nacht verschlungen und bin froh, dass ich mich nach dem etwas holprigen Start, nicht habe abbringen lassen. Ein empfehlenswertes Fantasy-Buch für Jung und Alt.

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