Montag, 23. November 2015

Rezension zu Marie Pellissiers "Der tödliche Tanz des Monsieur Bernard"

Bewertung 4 Sterne


Inhalt:
Durch Zufall und der Verkettung einiger Zufälle, ist die Hausmeisterin Lucie gerade in der Pariser Oper am putzen, als der Ballettdirektor die große Trappe hinunterstürzt und dabei stirbt. Sie kennt Monsieur Bernard gut, denn er wohnt in dem Haus, in dem sie als Gardienne angestellt ist. Obwohl alles nach einem Unfall aussieht, glaubt Lucie nicht wirklich daran und ruft die Polizei zur Hilfe. Doch Lucie wäre nicht Lucie, wenn sie mit ihrem Scharfsinn und ihren guten Verbindungen, nicht eigene Forschungen anstellen würde. Eine turbulente Zeit beginnt, denn der Komissar, der den Fall betreut ist ein alter Bekannter Lucies, doch ihr leider nicht sonderlich wohlgesonnen und so gerät sie schnell selbst unter Verdacht. Wird sie es schaffen, den Schuldigen zu finden, denn je weiter sie gräbt, desto mehr Verdächtige kommen zum Vorschein...

Charaktere: 
Die Autorin hat für ihr Buch eine Vielzahl an unterschiedlichen und bunten Figuren geschaffen, die mit ihren Charakterzügen und ihrem Wesen, dem Buch seinen vielfältigen Charme verleihen. Neben den zwei Hauptprotagonisten Lucie und Komissar Legarde, gibt es noch Lucies Familie, die Bewohner des Hauses, in dem Lucie als Hausmeisterin tätig ist, die Opernbelegschaft und natürlich die Polizisten, die am Fall mitarbeiten. Die weiteren Figuren, die so im Alltag immer mal wieder als Momentaufnahme hinzukommen, lass ich mal außen vor. Jeder einzelne Charakter ist liebevoll konzipiert und trägt mit seinen Eigenschaften zum bunten und vielseitigen Gesamtbild bei. Untereinander sind die Figuren miteinander verbunden und man bekommt neben der gegenwärtigen Geschichte, auch immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit einzelner Figuren. Es war faszinierend zu sehen, wie die einzelnen Personen miteinander verbunden sind, was man auf den ersten Blick so nicht erwartet hätte.

Schreibstil:
Die Autorin hat einen angenehmen Sprachstil, der einen in die Welt der Pariser Oper entführt. Mit ihrer liebe zum Detail taucht man herrlich ab und erlebt Paris und die landestypischen Gepflogenheiten hautnah. Auch wenn Frankreich ein direkter Nachbar ist, so unterscheiden sich doch viele Dinge im Alltag. Man wird beim Lesen an die Hand genommen und erlebt das typische Frankreich durch die Augen verschiedenster Protagonisten. Von Kapitel zu Kapitel wechselt die Erzählperspektive. Allerdings nicht nur zwischen den beiden Hauptfiguren, sondern auch die Nebenfiguren werden mit ihrer Sicht der Dinge eingebunden. Was einerseits sehr viel Dynamik bringt und auch Spannung aufbaut, da die Kapitel zumeist kurz vor einem entscheidenden Punkt enden, verwirrt leider manchmal auch. Gekonnt wirft sie französische Phrasen oder Termini ein, die allerdings im Kontext gut verständlich sind und keine weitere Recherche benötigen.

Cover: 
Das Cover finde ich äußerst ansprechend. Die rote Farbe und die Blutstropfen passen wundervoll zu einem Krimi. Rot finde ich zudem passend für Paris, denn ich verbinde bei dem Gedanken an diese wundervolle Metropole vieles mit der Farbe. Die Ballettschuhe spiegeln natürlich den Beruf des Monsieur Bernard und dessen Leben an der Oper wieder, doch der Leser wird bei der Lektüre noch eine weitere Bedeutung finden können. Die Schrift ist klassisch gehalten, ohne Kitsch und absolut passend. Der Klappentext macht Lust aufs Lesen.

Fazit:
Obwohl ich dieses Buch durchaus spannend fand, habe ich mich doch entschieden einen Stern abzuziehen. Der Grund hierfür sind die Perspektivwechsel und das Einstiegskapitel, die mich doch sehr verwirrt haben. Man kommt während dem Lesen wunderbar in die Geschichte rein, doch zu Anfang war ich mit den vielen Namen und der Szenerie ein wenig überfordert. Es ist kein klassischer Krimi, denn man wird mit ein paar Kochrezepten oder Infos über die Tanzszene herrlich nebenbei unterhalten. Auch die familiären Nebenstränge, die mehr über Lucie und ihr Leben verraten, geben der Geschichte emotionale Tiefe, haben aber primär nichts mit der Haupthandlung an sich zu tun. Doch sind diese Nebengeschichten und Stränge so wunderbar dezent miteinander verwoben, dass genau dies den Charme und Charakter des Kriminalfalls ausmacht. Der Schluss und damit auch der Mörder waren im gesamten Verlauf nicht zu erahnen, was wiederum einen Pluspunkt gibt, da ich es gerne mag, wenn ich die Geschichte nicht schon nach knapp der Hälfte durchschaue. Wenngleich ich mich die ersten Seiten etwas durchkämpfen musste, so kam ich doch mit dem Fortschreiten der Lektüre immer besser zurecht und bin nur so durch die Geschichte geflogen. Es ist wirklich ein toller Kriminalfall und Lucie ist für mich die Pariser Antwort auf Miss Marple. Ich musste so oft an die Parallelen denken und das ist auch für mich der Punkt, den ich persönlich am charmantesten fand. Ich kann dieses Buch wirklich jedem Krimi und Frankreich-Fan empfehlen, nicht zu vergessen all jene, die Miss Marples Abenteuer lieben. Ich bin gespannt ob es weitergeht und wenn ja wie, denn die liebe Lucie hat ein Händchen für solche Fälle....

Kommentare:

  1. Der Einstieg ist großartig. Stilsicher und treffend beschrieben. Wunderbar die Figur der Hausmeisterin. Schön und unterhaltsam die Nebenschauplätze. Mir gefällt besonders gut das Opernambiente.

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    1. Wahrscheinlich ist es nur ein subjektives Empfinden, da ich kein sonderlich geübter Krimi- Leser bin. Das Buch ist wirklich zu empfehlen. Danke für dein Feedback.
      Liebe Grüße
      Martina

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