Donnerstag, 12. November 2015

Rezension zu Susann Rehleins "Die erstaunliche Wirkung von Glück"

Bewertung 4 Sterne 


Inhalt:

Dorle wohnt in der Souterrain-Wohnung eines herrschaftlichen Hauses in Berlin. Ihr Leben ist nicht sehr spannend, wenn sie nicht für eine Kronleuchter-Manufaktur Prismenketten zusammensteckt, dann ist sie mit allerhand Aufträgen beschäftigt, die ihr die skurrilen Bewohner des Hauses stellen. Obwohl sie nicht als Concierge angestellt ist, verdrängen doch scheinbar alle im Haus diese Tatsache und machen sie zu so etwas wie ihrer persönlichen Angestellten ohne Bezahlung. Sie wischt täglich durch, bringt den Müll raus, holt Brötchen, gießt Blumen und vieles mehr. Eigentlich möchte sie das alles nicht, doch ihre Vergangenheit als Heimkind hat sie dahingehend geprägt, dass sie nicht nein sagen kann und es jedem recht machen will, auch wenn sie selbst dabei auf der Strecke bleibt. Ihr einziger Freund Joe ist immer für sie da und liebt sie so wie sie ist, auch wenn sie seine Nähe nicht erträgt. Im 5. Stock dieses Wohnhauses wohnt die 84 jährige Frau Sommer, die trotz ihren Alters nur so vor Energie und Lebensfreude sprüht. Gemeinsam mit ihrer Haushälterin Schräubchen, die nicht nur vom Wesen her ein bunter Paradiesvogel ist, wollen sie Dorle aus ihrem grauen Alltag ziehen und ihr helfen, sich nicht immer so drangsalieren zu lassen. Es beginnt eine lustige und ereignisreiche Zeit, in der Dorle allerhand verrückte Sachen erlebt und Dinge tun muss, die sie so nie getan hätte... Und wird sie endlich zu den Gefühlen, die sie für ihren einzigen richtigen Freund Joe hat stehen? 

Charaktere: 

Dorle: Eine junge Frau , 24 Jahre alt, lebt in ihrer eigenen kleinen Welt auf 15 Quadratmeter im Souterrain. Sie liebt und lebt jeden Tag das Gleiche, d.h. sie steht immer zur gleichen Zeit auf, isst das gleiche und hat einen genau abgestimmten Tagesablauf, der sie bei Abweichungen ins innere Chaos stürzt. Ihre lieblose Kindheit und der lange und prägende Aufenthalt im Kinderheim hat seine Spuren hinterlassen. Dorle besitzt keinerlei Selbstbewusstsein und versucht so gut es geht unauffällig zu bleiben. Alle Aufträge, die ihr erteilt werden setzt sie prompt und zuverlässig um. Auch wenn sie innerlich mit ihrem Schicksal hadert, so schafft sie es dennoch nicht über ihren Schatten zu springen, sondern tut, wie ihr geheißen wurde. Ihr einziger freund Joe gesteht ihr immer wieder seine Liebe und sie sagt auch, dass sie denkt in ihn verliebt zu sein, doch seine Nähe und das viele Gerede von Joe ist für sie unerträglich. So ist es kein Wunder, dass die an sie gestellten Aufgaben von Frau Sommer und Schräubchen, sie die ein oder andere Überwindung kostet.
Die anderen Charaktere dieses Buches werde ich nicht genauer Betrachten, denn das würde den Rahen sprengen. Susann Rehlein hat eine Fülle von unterschiedlichen Figuren geschaffen, die in ihrer Art so besonders und einzigartig sind. Und dennoch, so Skurril sie auch erscheinen mögen, man würde doch den ein oder anderen in seiner Nachbarschaft wiederfinden können. Ich möchte die Figuren sehr gerne, da die Autorin es vermieden hat klassische Klischees zu bedienen, so sind bei ihr zum Beispiel auch die Gigolos jenseits der 80.

Schreibstil: 

Die Autorin hat eine wundervolle Art zu schreiben. Mit viel Charme und Wortwitz gleitet man durch die Seiten. Ich hatte riesigen Spaß beim Lesen und war beeindruckt mit welcher Leichtigkeit und Bildfülle Susann Rehlein die Szenerien beschreibt. Durch die vielen Vergleiche und die umfangreiche Beschreibung der Situationen, kann man nicht anders als sich diese bildlich vorzustellen. Was mir besonders gut gefiel, waren die drei kleinen Zwischenbemerkungen der Autorin direkt an den Leser gerichtet, mit denen sie die Geschichte erklärend gliedert. Langeweile kommt bei dieser Geschichte nicht auf, denn die vielen verschiedenen Aufträge, Situationen und Orte, die sie im Wechsel besucht und erlebt, sorgen für viel Spannung und Abwechslung.

Cover:

Das Cover ist sehr schön gestaltet. Dieses kühle und elegante Taubenblau passt sehr gut zur Geschichte. Der Kronleuchter, auf dem die junge Frau sitzt, erklärt sich durch die Geschichte und war mir zu Anfang ein wenig rätselhaft. Ich finde den Einband sehr ansprechend und er macht Lust mehr vom Buch zu erfahren.

Fazit: 

Ich hatte sehr viel Spaß beim lesen, doch ich habe eine Stern abgezogen, da ich im Buch einige kleinere Dinge hatte, die mich störten. Zum einen war das Dorles Verhalten, das mich manchmal etwas genervt hat. Ich kann ja verstehen, dass sie es schwer hat, dennoch war mir ihre Beratungsresistenz manchmal etwas zu extrem. Das andere war der Epilog. Vielleicht hätte ich ihn nicht lesen sollen, den er ist meiner Meinung nach eher verwirrend als erklärend, aber auch das kann nur ein persönlicher Fehleindruck meinerseits sein. Es hat sehr viel Spaß gemacht dieses Buch zu lesen und die vielen Menschen, die sie so liebevoll beschrieben hat, kennenzulernen. Ich kann dieses Buch nur jedem ans Herz legen, denn es ist mal etwas ganz anderes und es verbreitet Freude und Glück.

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