Mittwoch, 27. Januar 2016

Rezension von der zauberhaften Vero zu „Über den Dächern wir zwei“ von Angela Kirchner

Bewertung: 5 Sterne



Heute Morgen so: Ich möchte ein gemütliches Bad nehmen und dabei die letzten Seiten meines derzeitigen Lesevergnügens (im wahrsten Sinne des Wortes) genießen; ich bin auf Seite 150 von 170 nach den Angaben meines E-Book-Readers. Und kaum, dass ich es mir so richtig gemütlich gemacht habe, beginnt auch schon der Epilog und ich bin durch. SCHADE. Ich möchte gar nicht aufhören zu lesen. Was nun? Also mache ich mir schon mal ein paar Nachlese-Gedanken, was ich Euch zu dem Buch erzählen möchte. Mist, kein Papier und Stift griffbereit; ich neige dazu, schöne Gedanken und Formulierungen wieder zu vergessen. Obwohl, was einmal gedacht wurde, sollte sich doch wieder abrufen lassen, oder?

„Über den Dächern wir zwei“ ist ein wundervolles, positiv gestimmtes und herzerwärmendes Buch, das Ihr wirklich lesen solltet.

Der Klappentext: Erste Liebe. Zart und real: Die 17-jährige Mina ist perfekt darin, sich gegenüber Gleichaltrigen unsichtbar zu machen. Ein Unfall stellt ihre geordnete Welt auf den Kopf und lässt sie einen vorsichtigen ersten Schritt auf ihren Nachbarn Theo zu machen. Auf Theo, der es liebt, über den Dingen zu schweben. Dessen Rückzugsort das Garagendach zwischen den beiden Häusern ist. Und der schon ewig heimlich in Mina verschossen ist. Finden die beiden so unterschiedlichen Außenseiter zusammen? über den Dächern wir zwei ist eine ganz besondere Liebesgeschichte von Angela Kirchner. Feinfühlig. Humorvoll. Echt.

Das Buch ist zwar nicht unbedingt an LeserInnen meiner Altersklasse gerichtet (empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre), doch obwohl die Pubertät mehr als ein halbes Leben hinter mir liegt, schafft Angela Kirchner es, mich sofort wieder dorthin zurückzukatapultieren. Ihre dezenten Stimmungs- und Situationsbeschreibungen vermitteln die Befangenheit der ersten Liebe, des ersten Kusses und des weiteren Verhaltens perfekt, ohne dass man bemerkt, wie man in dieses Mitempfinden hineingerät. Bewundernswürdig. Auch ihr Humor hat es mir angetan, „WAS?!?! … Was für eine Verschwendung von Satzzeichen.“ oder „Und irgendwann saugst du meine Worte nur noch auf und antwortest nicht mehr. Das ist wie Kommunikations-Pingpong mit einem Schwarzen Loch.“.

Die Unsicherheiten in der pubertären Altersphase sind bei Mina extrem ausgeprägt, sie haben zu einem völligen Zurückziehen in sich selbst und Sprachlosigkeit geführt. Ein Sich-unsichtbar-Machen, nur um nicht in den Mittelpunkt des Interesses zu geraten, nicht zur Zielscheibe der anderen zu werden. Aber nicht dieses Ausgeschlossensein, das Außenseiterdasein sind Mittelpunkt der Geschichte, sondern die Überwindung dieses Zustands, mithilfe von Theo, einer gehörigen Portion Mut und der ersten Liebe. Ich mag die Protagonisten sehr: Theo ist ein feinfühliger junger Mann mit einem großen Verantwortungsbewusstsein seiner Familie gegenüber, sein Zwillingsbruder Mike und seine Mutter Celine mit ihren Problemen machen es ihm nicht leicht. Und auch Mina braucht ihn, aber er braucht sie auch, niemand ist nur stark. Mina ist sehr empfindsam, sie hat sich abgekapselt, bringt aber trotzdem den Mut auf, aus ihrem Selbstschutzpanzer herauszukommen und die Liebe zu akzeptieren, sie sich anzueignen („Aber ich will nicht, dass seine Abdrücke verschwinden, ich will sie einmeißeln und festbrennen und mitnehmen, wo immer ich hingehe.“ So schön.). Von den Nebencharakteren mag ich Minas Mutter am liebsten, eine solch verständnisvolle und einfühlsame Mutter hätte ich mir gewünscht und ich hoffe, dass ich es geschafft habe, ihr ein wenig zu gleichen.

Eigentlich liegt es mir nicht so, etwas über ein Cover zu sagen, ich finde aber, dass die Farben - zartes Grün und kräftiges Rosa - das Aufwachen aus der Isolation und den Aufbruch ins Erwachsenenleben gut spiegeln.

© Vero

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