Dienstag, 2. Februar 2016

Rezension zu Trudi Canavans "Die Magie der Tausend Welten - Die Begabte"

Bewertung 4 Sterne

Inhalt:

Der junge Archäologe Tyen entdeckt bei einer Ausgrabung zufällig ein Buch, in dem seit mehreren Jahrhunderten das Bewusstsein der jungen Buchbinderin Vella gefangen ist. Der mächtigste Magier ihrer Zeit hat sie einst mit einem Zauber belegt und aus ihr dieses einzigartige Buch Pergama gefertigt, dessen Aufgabe darin besteht, für alle Zeit das Wissen der Welten zu sammeln und zu archivieren. Obwohl Tyen eigentlich verpflichtet wäre, das Buch der Akademie, die seine Beteiligung an der Ausgrabung bezahlt hat, auszuhändigen, entschließt er sich Pergama zu behalten und einen Weg zu suchen, sie wieder in einen Menschen zu verwandeln. Um seinen Plan nicht zu gefährden, versucht Tyen die Existenz Pergamas zu verheimlichen, doch durch die Verkettung unglücklicher Zufälle werden machthungrige Widersacher auf Pergama aufmerksam. Wird es Tyen gelingen einen Weg zu finden, Pergama von ihrem Schicksal zu erlösen?

Charaktere:

Das Buch ist in zwei Erzählperspektiven aufgebaut.
Zum einen wird die Geschichte von Tyen erzählt. Der Jungmagier war, bis er Pergama fand, der Akademie und ihren Werten stets treu ergeben und perfekt an das Gesellschaftssystem angepasst. Das Wissen, das Pergama mit ihm teilt, verändert einiges bei Tyen. Plötzlich beginnt er zu hinterfragen, zu misstrauen. Er ist zerrissen zwischen dem tiefverankerten Pflichtbewusstsein der Akademie gegenüber und den neuartigen und verwirrenden Gefühlen, die Pergama in ihm auslöst.

Die zweite Figur, deren Geschichte erzählt wird, ist Rielle, die Tocher eines Gerbers. Sie lebt mit ihrer Familie in einer Welt, in der die Nutzung von Magie lediglich Engeln und Priestern vorbehalten ist. Allerdings besitzt Rielle die seltene Gabe zu sehen, wenn Magie benutzt wurde, was sie aber geheim hält, da auch dies für sie und ihre Familie Probleme bedeuten würde. Auch Rielle ist, ähnlich wie Tyen, gefangen in den straffen Glaubensstrukturen ihrer Welt. Die Begegnung mit einem jungen Künstler bringt ihr gesamtes Weltbild ins Wanken und auch sie muss entscheiden, ob sie auf ihr Herz oder ihren Verstand hört.

Trudi Canavan hat mal wieder ein Händchen für vielseitige und subtile Protagonisten bewiesen. Sowohl Tyen, als auch Rielle sind sehr intensiv beschrieben. Man hat das Gefühl, die Figuren sehr gut zu kennen und kann deren Lebensweisen und Entscheidungen leicht nachvollziehen. Der innere Zwiespalt macht die Figuren noch lebendiger und der Leser kann sich wunderbar in die Situationen hineinversetzen. So konträr die Welten und deren Art zu Leben auch sind, so ähnlich ist doch der innere Konflikt, dem sich beide Helden stellen müssen.

Schreibweise:

Trudi Canavan hat mal wieder bewiesen, dass sie eine Fantasy-Virtuosin ist. Ihre Sprache ist anspruchsvoll, ohne jedoch den Leser überzustrapazieren. Sie beschreibt sehr detailliert Situationen, Orte und Figuren, was dem Leser das Abtauchen in die Geschichte erleichtert. Wie auf einem Fluss von Worten, gleitet man mit sehr viel Abwechslung und Spannung durch die Erzählung. Der Plot ist in zwei Erzählstränge aufgeteilt. Zum einen die Geschichte um Tyen und Pergama, zum anderen die von Rielle. Regelmäßig wechselt die Autorin zwischen beiden Stories, was der Geschichte eine gewisse Lesedynamik gibt. Allerdings wird im ersten Teil der Reihe nicht deutlich, wie diese so unterschiedlichen Handlungen zusammengehören könnten.

Cover:

Das Cover besticht durch schlichte Eleganz. Fast komplett in schwarz und grau gehalten, ist das Highlight die Magierin mit dem Feuerball in der Hand. Die wehenden, enganliegenden grauen Gewänder deuten eine Drehbewegung an, was die Figur lebendiger erscheinen lässt. Das Gesicht ist nicht richtig zu erkennen, da ihre Augen von der Kapuze verborgen werden. Gemeinsam mit dem Klappentext macht es Lust in fremde Welten abzutauchen und sich literarisch verzaubern zu lassen.

Fazit:

Da ich ein absoluter Trudi Canavan Fan bin, war ich wirklich extrem gespannt auf dieses Buch. Der Klappentext war sehr vielversprechend und auch das Cover hat mich in seinen Bann gezogen. Leider muss ich einen Stern in meiner Bewertung abziehen. Die Geschichte ist gut geschrieben und es macht Spaß sie zu lesen, doch irgendwie bleibt bis zum Schluss die Frage unbeantwortet, wie diese zwei konträren Handlungsstränge zusammenpassen. Wie schon erwähnt, sind die einzelnen Stränge in sich schlüssig und auch sehr unterhaltsam, doch erschließt sich mir noch nicht ganz, wohin mich Trudi Canavan entführen will. Dennoch muss ich gestehen, dass ich Teil 2 nun nicht mehr erwarten kann. Es ist definitiv von Vorteil, wenn man direkt mit dem nächsten Band weitermachen kann. Nichtsdestotrotz möchte ich dieses Buch jedem Trudi Canavan Fan und Fantasy-Liebhaber ans Herz legen, denn es hat definitiv Suchtpotential.

Ich hoffe, ich konnte eure Neugier für dieses tolle Buch wecken.

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