Dienstag, 20. September 2016

Münchhausen - Die Wahrheit über das Lügen: Grafic Novel

Ich freu mich, euch zum Auftakt unserer "Die Wahrheit über das Lügen"-Blogtour begrüßen zu dürfen. Ihr erlebt heute nicht nur den Beginn einer spannenden Tour, bei der ihr ein geniales Buch vorgestellt bekommt, sondern auch eine persönliche Premiere meinerseits, denn Münchhausen war meine erste Grafic Novel.

Eigentlich lese ich keine Cartoons/Mangas, aber dieses Buch hatte es mir angetan und so freute ich mich auf ein Experiment, das mich absolut begeistert hat. Da ich nicht weiß, wie viel ihr über Grafic Novels wisst, dachte ich mir, ich erzähle euch heute etwas mehr darüber.

Was ist eine Grafic Novel?


Grafic Novels in Zentralbibliothek Witten
Quelle: Wikipedia
Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um einen gezeichneten Roman, der in erster Linie Erwachsene als Leser ansprechen soll. In den USA etablierten sich in den 1980ern Comics in Buchformat, die sich sowohl von ihrem Umfang als auch von ihrer thematischen Komplexität von den allseits beliebten und gängigen Comic-Heften abhoben.
Auch wenn die Bezeichnung Grafic Novel heutzutage von Händlern und Lesern gleichermaßen benutzt wird, gibt es keine eindeutige Definition zu dem Begriff.

Häufig werden längere, im Regelfall einbändige Comics so bezeichnet, die ohne Beschränkung auf eine vordefinierte Anzahl von Seiten epische, teilweise komplexe Geschichten erzählen. Ein Graphic Novel muss kein in sich abgeschlossenes Werk sein, sondern kann ebenso zu einem größeren Gesamtwerk gehören, wie beispielsweise die Sandman-Bände von Neil Gaiman. Mit dem Begriff verbindet sich oft die Vorstellung eines ernsthaften Comics, der wie ein literarisches Werk eine Geschichte aufbaut und sich damit von Comics für Kinder und Jugendliche unterscheidet. Da er von der Industrie aber auch für Sammlungen und One Shots benutzt wird, kann diese Beschreibung nur einen Aspekt der Graphic Novels wiedergeben. (Quelle: Wikipedia)

Immer wieder wurden Versuche gestartet "eingedeutschte" Bezeichnungen wie Illustrierter Roman oder Grafischer Roman zu etablieren, aber bisher konnte sich dies nicht mehrheitlich durchsetzen und bleibt eher eine individuelle oder nicht gängig verbreitete Ausnahme. Die großen Comicverlage wie Carlsen benutzen hingegen die ursprüngliche Bezeichnung Grafic Novel.


Verschiedene Zeichenstile?



Man unterscheidet bei Grafic Novels zwischen drei Zeichenstilen: Cartoon, Manga und Comic.
Ich weiß, dass ist eigentlich eine Philosophie für sich und ich bin wahrlich kein Meister darin, aber ich versuche dennoch für euch die Unterschiede und typischen Merkmale der einzelnen Stilrichtungen KURZ zusammenzufassen.
(Bitte nicht böse sein, denn das Thema würde den Rahmen sprengen)

Manga:


Quelle: Pixabay
Bezeichnet den typischen Zeichenstil aus Japan, wobei dieser mit der Japanischen Tradition eher weniger zu tun hat. Vielmehr haben die Künstler sich am Westen orientiert und den teilweise stark vereinfacht dargestellten und oft auch karikierten Figuren ein "westliches" Aussehen verpasst. Große Köpfe und runde Kulleraugen sind ebenso typisch wie die Darstellung von Gefühlen über Bildelemente. Häufig ist es auch so, dass die Hintergründe detaillierter dargestellt sind als die handelnden Figuren.
Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, könnte ihr im Artikel zu den Stilelementen bei Mangas mehr Informationen bekommen.

Comic:


Quelle: Pixabay
Ein Comic ist eine Geschichte in Bildern erzählt, oft kombiniert mit Worten. Der Comic stammt jedoch nicht wie oft angenommen aus den USA, sondern hat in der Menschheitsgeschichte eine lange Tradition. Generell geht man dabei von Bildergeschichten aus. Geschichten und Situationen werden über ein Bild erzählt. (Dieses Prinzip kannten die Höhlenmenschen ebenso wie die Ägypter oder berühmten Maler)


Comic-typische Merkmale und Techniken, die aber nicht zwangsläufig verwendet sein müssen, sind Sprechblasen und Denkblasen, Panels und Onomatopoesien. Diese finden auch in anderen Medien Verwendung, insbesondere wenn Text und sequenzielle Bilderfolgen kombiniert sind wie in Bilderbuch und illustrierter Geschichte, in Karikaturen oder Cartoons. Die Abgrenzung zu diesen eng verwandten Künsten ist unscharf. (Quelle: Wikipedia)

Cartoon:


Quelle: Wikipedia
Ein Cartoon ist eine sartirische oder komische Bildgeschichte mit einer Pointe, bei der ursprünglich keine Worte verwendet wurden. Bekommt ein Cartoon eine Politische oder ernsthafte Message, wird dieser zur Karikatur (die Übergänge sind hier sehr fließend)
Mehr Informationen findet ihr im Artikel zu Cartoons.


Geschichtlicher Hintergrund?



Die Wurzeln der modernen Grafic Novels wird oft in den woodcut novels der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts gesehen. Dabei handelt es sich um expressionistische Bilderfolgen, die in Buchform teilweise extrem komplexe Inhalte und Geschichten erzählten.

Eisner, ein großer Comiczeichner, der in den 40er und 50er Jahren mit seinen Zeitungscomics Wegbereiter für regelmäßig erscheinende Comic-Heftchen war, brachte Ende der 70er Jahre erstmals vier seiner Kurzgeschichten in einem Buch als Grafic Novel zusammengefasst heraus. Er benutze bewusst diese Bezeichnung, um sich von der damals gängigen Bezeichnung Comic Book abzugrenzen. Eisner wollte etwas von bleibendem Wert schaffen, das sich qualitativ vom wöchentlichen Wegwerf-Comic abhob.

„Die Zukunft der Graphic Novels liegt in der Relevanz der Themen und in der Innovation der Darstellung.“         Will Eisner: Comics & Sequential Art. Poorhouse Press, 28. Auflage 2006, S. 141.

Kritik?



Das zentrale Argument der Kritiker ist hierbei, dass die beworbene erzählerische Komplexität rein subjektiv ist und Bindung und Vertriebsweg, die einzigen faktischen Unterschiede zwischen Comics und Graphic Novels seien. Ein weiterer - häufig vorgebrachter - Kritikpunkt ist die Vermutung, dass hinter dem Begriff rein kommerzielle Interessen stecken würden und man dem Leser mit dem Begriff suggeriere, dass eine Graphic Novel automatisch anspruchsvoller als ein herkömmlicher Comic sei. Hierbei wird vor allem kritisiert, dass der Begriff Graphic Novel dem Comic nicht zu einem höheren Ansehen verhelfe, sondern stattdessen das häufige Vorurteil untermauere, dass sich Comics ausschließlich an Kinder richteten, während sich einzig und allein die Graphic Novel an ein erwachsenes Publikum wende.

Im Gegensatz zu regional-bedingten Formaten, wie z. B. dem Manga, dem Manhwa oder dem frankobelgischen Bande Dessinée, versteht sich die Graphic Novel, nach dem Vertriebsprinzip vieler Verlage, nicht als eine Gattung des Comics bzw. als eine Gattung der Sequentiellen Kunst, sondern viel mehr als eine eigene Literatursparte. (Quelle: Wikipedia)
„The problem is that ‚graphic novel‘ just came to mean ‚expensive comic book‘ and so what you'd get is people like DC Comics or Marvel comics - because ‚graphic novels‘ were getting some attention, they'd stick six issues of whatever worthless piece of crap they happened to be publishing lately under a glossy cover and call it The She-Hulk Graphic Novel, you know?“ Alan Moore im Interview mit Barry Kavanagh 17.10.2000

Meine Meinung:


Ich muss ehrlich gestehen, dass mich der Begriff Grafic Novel neugierig gemacht hat und ich wissen wollte, was sich dahinter verbirgt. Wenn es als Comic bezeichnet worden wäre, hätte ich wahrscheinlich kein so großes Interesse daran gehabt, da ich den Begriff in meiner grenzenlosen Unwissenheit auf diesem weiten Feld auch eher mit Donald Duck und Superheldengeschichten verbunden hätte. Ich mag die Idee, anspruchsvollere Texte und Inhalte visuell über Bilder und wenig Worte zu transportieren. Auch wenn ich kein großer Fan von "klassischen" Comics bin und Mangas mein Interesse auch nicht wirklich reizen, so denke ich aber doch, dass mich dieses Experiment offener für neue Dinge in diesem Bereich gemacht hat.

Wenn ihr mehr lesen wollt, wie mir Flix und Kissels "Münchhausen - Die Wahrheit über das Lügen" gefallen hat, könnt ihr die ausführliche Rezension hier lesen.



Gewinn: 1x Print
Natürlich habt ihr auch wieder die tolle Chance etwas zu gewinnen.
Diesmal habt ihr die Chance auf einen Print der genialen Grafic Novel.
Ihr könnt im Laufe der Tour jeden Tag durch die Beantwortung der jeweiligen Tagesfrage ein Los sammeln. Am Ende könnt ihr also mit maximal 7 Losen in den Gewinntopf hüpfen.


Ich möchte dafür von euch gerne wissen:

Wie ist eure Definition einer Grafic Novel? Findet ihr die Abgrenzung zum Comic sinnig oder unsinnig?


Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel findet ihr hier:

http://buchreisender.de/teilnahmebedingungen/

Damit ihr die anderen Tourtage nicht verpasst, hier noch einmal der Überblick:

20.09 Grafic Novel bei uns
21.09 Pseudologia Phantastica bei Lisa
22.09 Was Freud dazu sagt bei Tamara
23.09 Münchhausens Meinung bei Sabrina
24.09 Monderdbeeren & Granatenritt bei Sonja
25.09 *ohne Worte* bei Ricarda
26.09 Die Macher bei Svenja

Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    was ist ein Grafic Novel? So recht schlau bin ich eigentlich bei den Erklärungen auch nicht geworden...sorry, aber ich versuche mich gerne an einer Definition.

    Also ich denke mir, hier macht die Aufmachtung zwischen Comic/Manga und Grafic Novel einen entscheidenten Unterschied...Comic/Manga haben meistens einen dünnen Einband, wie auch die Seiten selber. Grafic Novel da schaut der Einband fest, wie die eines Buches aus.
    So würde ich mir, die Unterscheidung rein vom Optischen schon mal erklären.

    Man schummelt da etwas zu Gunsten, der möglichen Erwachsenen Käuferschicht, die vielleicht ungerne mit einen Comic ala Donald Duck oder ähnlichem erwischt werden möchte...hihi.

    So das wäre meine Erklärung.
    Ich bin gespannt, ob ich irgendwie recht habe..oder?
    LG..Karin...

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  2. Hallo,
    ich bin oft in Frankreich und da spielen Comics und auch diese Graphic Novels eine viel größere Rolle. Für mich ist der Unterschied, dass die Graphic Novels anspruchsvoller sind, oftmals zum Beispiel historische Texte aufarbeiten oder etwas vermitteln wollen in ansprechender Form.Es gibt eine tolle Graphic Novel zu Jeanne D'Arc.Ich stöber immer gerne.

    lg, Jutta

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    1. hm, den zweiten Beitrag gibt es wohl leider noch nicht...

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  3. Hallo,

    ein Graphic Novel ist für mich eine Geschichte, die hauptsächlich durch die Bilder erzählt wird und ich finde schon, dass es etwas anderes als ein Comic ist, obwohl die Grenzen natürlich manchmal doch eher verschwimmen...

    LG

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