Montag, 1. Februar 2016

Rezension zu Jeanette Lagalls "Die Reise des Karneolvogels: Der Wanderzirkus"

Bewertung 4 Sterne


Inhalt (Klappentext):

Um der arrangierten Hochzeit zu entgehen, verkleiden sich die beiden ‚höheren Töchter‘ Riki und Myra als Knaben und schließen sich einem Wanderzirkus an. Dank ihrer neuen Identität entkommen sie zwar den Fesseln der viktorianischen Gesellschaft, doch die Welt der Gaukler ist nicht nur bunter, sondern auch gefährlicher als erwartet.
Der Karneolvogel, ein mächtiges Artefakt der Gaukler, ist verschwunden und sein Hüter Ramiro schwebt in Lebensgefahr, wenn es nicht bis zur großen Versammlung wieder auftaucht. Dass nun auch noch die Liebe ihre kapriziösen Finger ins Spiel bringt, verschärft die Situation zusätzlich – denn was würden die Zirkusleute tun, wenn die Lüge der beiden ‚Knaben‘ ans Licht kommt?
Das Geheimnis muss also um jeden Preis gewahrt bleiben. Aber wie, wenn ausgerechnet derjenige Gefühle für Riki entwickelt, der sich selbst niemals eingestehen könnte, einen Jüngling zu lieben – und für den Liebe und Verrat ohnehin Hand in Hand gehen.
Während die Gaukler den Spuren des Artefaktes folgen und sich herauskristallisiert, dass womöglich ein Verräter unter ihnen ist, setzen die Familien der Mädchen alles daran, die Ausreißerinnen zu finden, und bringen damit den ganzen Wanderzirkus in Gefahr…

Charaktere:

Das Buch lebt in erster Linie von den zwei Protagonistinnen Riki und Myra. So lernt man sie zu Beginn als Pensionatsschülerinnen kennen, die den verstaubten Ansichten über die weibliche Rolle und der damit verbundenen ‚Zwangsheirat‘ entkommen möchten. Als einzigen Ausweg, um ihrem Schicksal zu entkommen, bleibt beiden nur die Flucht. Sie verkleiden sich als Knaben und schließen sich einem Wanderzirkus an. Durch die neu gewonnene Freiheit entwickeln sich die beiden geistig aber auch körperlich auf eine Art und Weise weiter, wie sie es in ihrem behüteten Leben im Pensionat nie für möglich gehalten hätten. Dieser Reifeprozess steht für mich im Vordergrund und zieht sich wie ein roter Faden durch die Story. Die vielen anderen Figuren der Geschichte sind aber nicht weniger liebevoll kreiert. Sie sind sehr vielschichtig und so unterschiedlich in ihrem Wesen beschrieben. Aber genau das verleiht die nötige Abwechslung und Dynamik, damit der Plot nicht langweilt und der Leser sich in die Charaktere emotional einfühlen kann.

Cover:

Das Cover des Buches hat mich direkt in seinen Bann gezogen. Auf den ersten Blick erkennt man die Zweiteilung der Front in helle und dunkle Farben. Im Zentrum steht ein Gesicht, dass zwei unterschiedliche Persönlichkeiten widerspiegelt. Die linke Gesichtshälfte zeigt einen Jungen mit Mütze und kurzen blonden Haaren. Im Hintergrund sind ein Zirkuszelt sowie ein Vogel mit Zirkusmütze zu erkennen. Die bestimmenden Farben auf dieser Hälfte sind sehr dunkel. Es wirkt auf den Betrachter eher düster.  Auf der rechten Seite des Covers ist ein wunderschönes Frauengesicht in warme und helle Farben getaucht. Schöne Orange- und Gelbtöne vermitteln ein positives Bild und unterstreichen die schlichte Schönheit des Gesichtes. Aber genau dieser Gegensatz macht das Titelbild so geheimnisvoll und ansprechend.

Schreibstil:

Die Autorin schafft es in ihrem Debütroman eine zauberhafte Welt entstehen zu lassen, die einen in die viktorianische Zeit Englands entführt. Die Sprache der Autorin ist bildhaft und lebendig, so dass man sich gut in die Geschichte und auch die Protagonisten hineinversetzen kann. Der Schreibstil war für mich an manchen Stellen allerdings etwas anstrengend zu lesen. So sind häufig sehr lange Sätze mit vielen Informationen gespickt, die ich teilweise mehrmals lesen musste, um den gesamten Inhalt zu erfassen. Auch Wortdopplungen störten im Verlauf des Buches immer wieder den Lesefluss. Einige Stellen des Buches hätten zudem nicht so ausführlich beschrieben werden müssen. Dadurch fehlt es bei manch wichtigen Ereignissen an Tiefgang. Dennoch ist man gerade gegen Ende der Geschichte gespannt, welche Überraschungen Jeanette Lagall in der Fortsetzung des gelungenen ersten Buches für ihre Leser bereithalten wird.

Fazit:

Bereits das Cover entfachte meine Leselust. Schnell hatte mich die Handlung fest im Griff und ich wollte das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen. Dabei versteht es die Autorin einen schönen Spannungsbogen aufzubauen und den Leser so immer tiefer in die Geschichte eintauchen zu lassen. Romantik, Herzschmerz, Action und Spannung sorgen für ein ausgewogenes Leseerlebnis und erfüllen dem Bücherfreund so alle Wünsche an ein gutes Buch. Gerade mich als Geschichtslehrerin hat die viktorianische Zeit und die äußerst detailreiche Ausführung der damaligen Lebensweise sehr angesprochen. Alles in allem war die Reise des Karneolvogels ein wunderbares Lesevergnügen, dass ich jedem empfehlen kann, der Fantasyromane mit historischem Hintergrund mag. Aber auch alle anderen können sich hier auf eine spannende Reise begeben, die Lust auf weitere Abenteuer von Riki und Myra macht.

Kommentare:

  1. Das klingt auch verlockend. Oh je, wann soll ich nur alles lesen?!

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  2. Schlafen wird überbewertet ;-)
    Zu viele Verlockungen und zu wenig Zeit :-)

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