Montag, 13. Juni 2016

Blogtour zu Meike Freis "Fuck the Föhnfrisur - Eine Lehrerin schult um"



Herzlich willkommen zu Tag 3 der Blogtour zu Meike Freis "Fuck the Föhnfrisur - Eine Lehrerin schult um". Nachdem ihr gestern bei Sonja etwas über Berufsberatung und Jobalternativen gehört habt, werde ich euch heute ein wenig mehr über den Bildungsauftrag und die Wahrheit über den Lehreralltag erzählen.

Definition Bildungsauftrag


Quelle: Pixabay
Als Bildungsauftrag wird die Aufgabe staatlicher Institutionen bezeichnet, für die Allgemeinheit geeignete Bildungsangebote zu erarbeiten und bereitzustellen.
(Quelle: http://worterbuchdeutsch.com/de/bildungsauftrag)

Eine spezifischere Regelung hierzu findet sich im Schulgesetz (Da ich als Lehrerin in Baden-Württemberg tätig bin, beziehe ich mich in diesem Artikel ausschließlich auf das hier gültige Schulsystem).

Auszug aus §1 des Schulgesetzes (SchuG):
(2) Die Schule hat den in der Landesverfassung verankerten Erziehungs- und Bildungsauftrag zu verwirklichen. Über die Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten hinaus ist die Schule insbesondere gehalten, die Schüler
- in Verantwortung vor Gott, im Geiste christlicher Nächstenliebe, zur Menschlichkeit und Friedensliebe, in der Liebe zu Volk und Heimat, zur Achtung der Würde und der Überzeugung anderer, zu Leistungswillen und Eigenverantwortung sowie zu sozialer Bewährung zu erziehen und in der Entfaltung ihrer Persönlichkeit und Begabung zu fördern,
- zur Anerkennung der Wert- und Ordnungsvorstellungen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu erziehen, (...)
- auf die Wahrnehmung ihrer verfassungsmäßigen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten vorzubereiten und die dazu notwendige Urteils- und Entscheidungsfähigkeit zu vermitteln,
- auf die Mannigfaltigkeit der Lebensaufgaben und auf die Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt mit ihren unterschiedlichen Aufgaben und Entwicklungen vorzubereiten.
Ja, diese Gesetze werden in der Ausbildung zum Lehrer immer wieder betont und wie ihr sehen könnt, umfasst der Bildungsauftrag doch deutlich mehr, als nur die reine Wissensvermittlung. So ist man als Lehrer mit mehr Arbeit konfrontiert, als es das gesellschaftliche Bild dieses Berufsstandes erahnen lässt.


Der Schulalltag


Quelle: Pixabay
Auch heute noch wird man als Lehrer belächelt, wenn man von seinem stressigen Alltag erzählt. Bereits der Satz "Ich bin Leher" löst bei den meisten einen regelrechten Shit-Storm über den "faulen" Berufsstand des Pädagogen aus. Auch Meike Frei musste sich so einiges anhören, als sie in netter Runde ihre Tätigkeit erwähnt:
"Da haben Sie ja bestimmt viel Zeit?! (...) Mein Nachbar ist Lehrer, und den trifft man nachmittags im Anschluss an sein Mittagsschläfchen immer wahlweise auf dem Tennis- oder Golfplatz. Seien Sie mir nicht böse, aber dass Lehrer einen gut bezahlten Halbtagsjob haben, weiß ja wohl jeder!" 
(Zitat aus "Fuck the Föhnfrisur" von Meike Frei)

Ich erinnere mich noch gut daran, wie auch ich mir immer wieder anhören durfte, dass ich ja durch die Ferien und die wenigen Wochenstunden absolut überbezahlt sei und mich nicht so anstellen solle. Die ersten Male versuchte ich ernsthaft zu rechtfertigen, dass der Lehrberuf weit mehr abverlangt, als es den meisten Menschen bewusst ist. Inzwischen bin ich dazu übergegangen lediglich zu kontern:
"Berufswahl ist ein Zeichen von Intelligenz und ihr hättet ihn ja auch machen können, wenn er doch so einfach und überbezahlt ist."
Um einen kleinen Einblick in die tatsächliche Arbeitswelt eines Lehrers zu bekommen, zählt Meike Frei in ihrem Buch treffend auf, welche Aufgaben den Alltag eines Lehrers inzwischen so vielfältig und auch stressig machen:
"Wenn ich es mir allerdings genau überlege, übernehme ich mittlerweile eher die Aufgaben einer: Erzieherin, Psychologin, Ersatzmutter und Supernanny, Ernährungsberaterin, Ärztin/Rettungssanitäterin ... und erst in letzter Linie bin ich Lehrerin." 
(Zitat aus "Fuck the Föhnfrisur" von Meike Frei)

Und ich kann meine Kollegin hier nur bestätigen. Oft tritt der Unterricht an zweite Stelle und man ist gezwungen den Schülern in allen Lebenslagen zu helfen. So wird man zum Mediator, weil sich zwei Schüler mal wieder gegenseitig die Augen auskratzen oder man versucht ihnen die banalsten Dinge, wie Müll wegräumen oder einfach nur still sein, einzutrichtern. Und da macht es wenig Unterschied, ob man wie Meike Frei auf einer Hauptschule oder wie ich an einer Berufsschule unterrichtet. Schüler versuchen einfach jede Gelegenheit zu nutzen, um das eigentliche Unterrichtsgeschehen - die Wissenserweiterung - zu boykottieren und da sind ihnen wirklich alle Mittel recht. Da wird man über sein Privatleben ausgefragt, die Schüler versuchen Montags grundsätzlich erstmal von ihrem Wochenende zu erzählen und jeder noch so kleine Konflikt artet oftmals in einen Mehrfronten-Krieg aus, bei dem man als Lehrer grundsätzlich auf der falschen Seite steht. Manchmal muss man auch von seinem eigenen Fachgebiet abweichen, um Wissenslücken zu füllen, die ursprünglich mal der Biologie-Lehrer hätte erklären sollen.

Eine Anekdote meines Schulalltags:

Im Schuljahr 2013/2014 habe ich eine Großhandelsklasse in Betriebswirtschaftslehre und Gemeinschaftskunde unterrichtet. Kurz bevor ich den Mutterschutz Ende 2013 angetreten habe, wurde ich von meiner Klasse vom eigentlichen Thema der Fremdfinanzierung komplett abgelenkt. Stattdessen sah ich mich als Ersatz-Biologie-Lehrerin gezwungen, meinen Schülern die Sache mit dem Baby-kriegen doch etwas näher zu erklären. Eine Schülerin fragte mich, ob ich spüren könnte, wenn das Baby Pipi machen muss und ob ich dann auch immer auf Toilette müsste. Nach dem ersten Lachanfall, sah ich mich allerdings gezwungen, den groben Aufbau des Babys und den dazugehörigen Körperfunktionen zu erläutern. Damit dachte ich, wäre das Thema erledigt. Aber weit gefehlt: Promt fragte mich eine weitere Schülerin, was mein Baby denn bei mir im Bauch zu essen bekommt. Da schrie eine weitere Biologie-Koryphäe doch ernsthaft in den Raum, dass es doch ganz klar sei: es isst den Mutterkuchen. Dafür sei Kuchen ja schließlich da. In diesem Moment starrte ich, während der Großteil der Klasse bereits in schallendes Gelächter ausgebrochen war, mit offenem Mund jene Schülerin an und zweifelte an meinen Hörfähigkeiten. Auch diese Wissenslücke musste ich dann schließen und als ich mich meinem eigentlichen Unterrichtsthema zuwenden wollte, unterbrach mich die unhöfliche Pausenklingel und meine Schüler stürmten an mir vorbei in die Freiheit.

Auf diese Blogtour und das Buch von Meike Frei habe ich mich besonders gefreut. Gerade weil es um meinen Berufsstand geht, war ich sehr gespannt, wie sie ihren Schulalltag präsentiert. Ich habe gelacht, oft zustimmend genickt und noch häufiger dem Himmel gedankt, dass ich nur Schüler jenseits der 15 Jahre unterrichten darf. Ich liebe meinen Beruf und er ist für mich mehr als nur eine Möglichkeit Geld zu verdienen: Er ist meine Berufung!

Quelle: Pixabay
Jeder, der sich jetzt fragt, ob der Lehrberuf auch für ihn geeignet wäre, kann den folgenden kleinen Fragebogen, den Meike Frei in "Fuck the Föhnfrisur" erstellt hat, für sich ausfüllen. Wer mehr als drei Kreuzchen setzen kann, sollte dringend in diesem höchst missverstandenen Beruf Fuß fassen:


  • Mein Geduldsfaden kennt kein Ende. Gerne wiederhole ich mich mehrfach und erkläre wieder und wieder den gleichen Sachverhalt, auch wenn mir niemand zuhört. 
  • Eine hohe Misserfolgsrate trotz intensiver Vorbereitung lässt mich kalt 
  • Ich freue mich darüber, Intimitäten aus dem Leben pubertierender Jugendlicher zu erfahren 
  • Mangelnde Motivation unterlegt mit wiederkehrenden Floskeln stachelt meinen Ehrgeiz erst richtig an
  • Besonders spannend finde ich das ständige Lösen von Konflikten der Jugendlichen untereinander  
  •  Schon in der Diskothek stand ich mit Vorliebe direkt vor den Boxen, sodass ich heute ohne Schwierigkeiten den Lärmpegel in der Schule genießen kann 
  • Ich freue mich, wenn meine Schüler ernsthaft um meinen Gesundheitszustand besorgt sind 
Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, könnt ihr hier meine Rezension zu Meike Freis "Fuck the Föhnfrisur" erfahren.







Natürlich gibt es wie immer was Tolles zu gewinnen. Um eure Chance auf den Print "Fuck the Föhnfrisur" von Meike Frei zu erhöhen, könnt ihr jeden Tag Lose sammeln, indem ihr die jeweilige Tagesfrage beantwortet. Ich würde gerne von euch wissen:

Mit welchem Vorurteil über den Lehrberuf wird Meike Frei konfrontiert?


Teilnahmebedingungen
Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschland, Österreich und Schweiz, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass die Adresse an die Autorin/ an den Autor oder an den Verlag im Gewinnfall übersendet werden darf und man als Gewinner
 öffentlich genannt werden darf.
Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal pro Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen.
Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
Das Gewinnspiel wird von buchreisender.de organisiert.
Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
Das Gewinnspiel endet am 14.06.2016 um 23:59 Uhr.

Hier nochmal der Blogtour-Fahrplan im Überblick:



Kommentare:

  1. Morgen.:-)
    Da wäre zb.: das sie für wenige Wochenstunden doch eh schon überbezahlt sei und soviel freie Zeit am Tag hat, weil sie ja Nachmittag meist schon zu Hause ist!
    LG Jenny
    jspatchouly@gmail.com

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  2. Das sie durch die Ferien und die wenigen Wochenstunden absolut überbezahlt sei.

    Liebe Grüße,
    Daniela

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  3. Danke für den ausführlichen Beitrag! Ich bin selbst Lehrerin und würde das Buch gerne lesen (und gewinnen :-))! Das Vorurteil bzw. die Vorurteile liegen darin, dass Lehrer zu viel Ferien, zu viel Freizeit haben, überbezahlt sind und eigentlich nur halbtags arbeiten! LG Verena

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  4. Hallo ,

    Vorurteile über den Lehrberuf sind :
    - viel freie Zeit
    - überbezahlt
    - wennig Stunden
    - viel Urlaub.

    Liebe Grüße Margareta Gebhardt
    margareta.gebhardt@gmx.de

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