Mittwoch, 15. Juni 2016

Blogtourtag zu Iona Greys "Als unsere Herzen fliegen lernten"









Herzlich willkommen zum dritten Tag der Blogtour zu Iona Greys "Als unsere Herzen fliegen lernten". Nachdem ihr gestern bei Nele die einzelnen Protagonisten kennengelernt habt, erzähle ich euch heute mehr über das London im Jahre 1943.


"Wings For Victory Week" London März 1943
Quelle: Wikipedia
1943, die Welt befand sich im Ausnahmezustand. Die Alliierten versuchten erbittert den Vormarsch Hitlers einzudämmen. Es war die Zeit der großen Luftangriffe, unter denen hauptsächlich die Zivilbevölkerung zu leiden hatte. Besonders die englische Zivilbevölkerung hatte durch das Kriegstreiben große Einschnitte hinzunehmen. So mussten mit der Dämmerung die Vorhänge geschlossen und die Lichter gelöscht werden, um den Fliegern kein optisches Angriffsziel zu bieten.

 "Gegen fünf Uhr gab Stella es auf, in der Dämmerung etwas erkennen zu wollen, und machte sich daran, die Räume zu verdunkeln. [...] Nur eine weitere Entbehrung des Krieges. Orangen. Schokolade. Seife. Sonnenuntergänge."                                         (Zitat Iona Grey "Als unsere Herzen fliegen lernten")

"London lag vollständig im Dunkeln, doch die Piloten der Luftwaffe mussten nur die Köpfe aus den Cockpits halten und die Ohren aufsperren, dann hätten sie das hektische Treiben auf den Straßen sicher nicht überhören können, dachte Stella." (Zitat Iona Grey "Als unsere Herzen fliegen lernten")

Ein Verkäufer entwertet die
Coupons einer Kundin (1943)
Quelle: Wikipedia
Ein weiterer wichtiger Punkt, der große Entbehrungen mit sich brachte, waren die Rationierungen.
England importierte zu der Zeit etwa 70% aller Lebensmittel aus dem Ausland. Hitler nutze dies und bombardierte gezielt die Lebensmittelfrachter, um die Zivilbevölkerung zu treffen und Druck auszuüben. So erließ das Ministerium für Ernährung im Jahr 1939 die ersten Rationierungssprogramme, die eine staatliche Einteilung bestimmter Lebensmittel vorsahen.
Jeder Bürger musste sich hierfür bei ausgewählten Läden registrieren lassen und erhielt dann die Coupons, mit denen sie die ihnen zugeteilte Menge an Essen bekamen. Auch die Ladenbesitzer erhielten lediglich das Kontingent an Lebensmitteln, welches durch die registrierten Bürger notwendig war.
Flugblatt mit Auflistung der Strafe
 bei Verstoß gegen Rationierung
Quelle: Wikipedia
Die Rationierung begann 1939 eher harmlos mit der gedrosselten Abgabe von Treibstoffen und wurde 1940 bereits auf Schinkenspeck, Butter und Zucker erweitert. In immer kürzeren Abständen folgten dann Lebensmittel wie Fleisch, Tee, Marmelade, Frühstückszerealien, Käse, Eier, Schmalz, Milch sowie Dosen- und getrocknete Früchte. Während die meisten Lebensmittel nach Gewicht rationalisiert wurden, bildete Fleisch die Ausnahme, da es nach Preis ging. Hasen- und Taubenfleisch unterlagen keiner Beschränkung, waren allerdings nicht immer zu bekommen. Fisch wurde ebenfalls nicht beschränkt, allerdings gingen die Preise massiv hoch.

"Ein einfaches Bruststück, sehnig und zäh, das in dem braunen Packpapier eher unappetitlich ausgesehen hatte. Doch Ada Broughton, die beim Metzger hinter ihr gestanden hatte, versicherte ihr, bei niedriger Hitze lange genug gekocht, würde sie daraus einen köstlichen Eintopf zaubern. Stella hoffte, sie würde recht damit behalten, denn es war ihre einzige Fleischration für diese Woche." (Zitat Iona Grey "Als unsere Herzen fliegen lernten")

Auch Restaurants mussten sich an strikte Regeln halten, denn man wollte niemanden bevorzugen, nur weil er sich Mahlzeiten im Restaurant leisten konnte.

"Ich wollte Sie fragen, ob Sie uns das Abendessen vielleicht aufs Zimmer bringen könnten... Sandwiches? [...] Nun, wenn es nichts anderes gibt, dann eben Sandwiches. [...] Und falls Sie eine Flasche Sekt auftreiben könnten, umso besser."                       (Zitat Iona Grey "Als unsere Herzen fliegen lernten")

Rationierungsbuch eines
Kindes im 2. Weltkrieg
Quelle: Wikipedia
Exotische Früchte wie Zitronen oder Bananen zum Beispiel verschwanden zeitweise komplett vom Speiseplan, so dass manche Kinder, die damals groß wurden, nicht glauben konnten, dass diese wirklich existierten.
Natürlich wurden auch einige Ausnahmen gewährt. So bekamen Schwangere, Kranke, Vegetarier, schwerstarbeitende Menschen und Kinder angepasste Rationierungen.
Not macht erfinderisch.

Werbeplakat um Leute zum
Anbauen zu motivieren
Quelle: Wikipedia
Die Regierung rief die Bevölkerung dazu auf, Gärten und Grünflächen zu bewirtschaften, um damit die Lebensmittelknappheit ein wenig abzufangen. Zudem schafften es manchmal auch für damalige Essgewohnheiten skurril anmutende Lebensmittel wie Walfleisch und südafrikanischer Hecht auf die Speiseliste, da sie nicht rationalisiert wurden.
Hier eine kleine Auflistung wie streng die Rationalisierung waren. Aufgeteilt sind sie nach dem Maximum, also was es im Beschränkungszeitraum pro Person maximal gab, und dem Minimum, also die Untergrenze dessen, was staatlich ausgegeben wurde.


Artikel                        Maximal pro Woche  Minimal pro Woche

Speck und Schinken        227 g                   113 g
Zucker                                454 g                   227 g
Loser Tee                                113 g                             57 g
Fleisch                       1 Schilling 2 Pennies       1 Schilling
Käse                                        227 g                     28 g
Eingemachtes                   0.45 kg pro Monat
                                          0.91 kg Marmelade    227 g pro Monat
Butter                                  227 g                      57 g
Margarine                                  340 g                     113 g
Schmalz                                    85 g                      57 g
Süßigkeiten                          454 g pro Monat    227 g pro Monat

Diese Auflistung gibt natürlich nur einen kleinen Überblick, denn mehr Details würden den Rahmen sprengen. Und nicht nur Lebensmittel wurden beschränkt. Auch alltägliche Dinge wie Seife, Papier, Treibstoffe, Kleidung oder Wasser wurden strikt eingeschränkt.

"Die zulässige Wassermenge (die in Großbuchstaben auf Schildern über dem Wasserhahn, auf der Fensterbank und an der Rückseite der Tür angeschlagen war) wirkte etwas großzügiger, wenn zwei Personen in der Wanne lagen."                                    (Zitat Iona Grey "Als unsere Herzen fliegen lernten")

Quelle: Wikispaces
Wie bereits erwähnt, versuchten die Menschen ihr Leben so gut es ging "normal" zu gestalten. Es gab einen florierenden Schwarzmarkt und die Menschen waren sehr spitzfindig im kreieren neuer Rezepte. Stella ist die Frau des Pastors der St. Crispin Gemeinde in King's Oak und für die Gemeinde war es selbstverständlich, trotz Krieges und massiver Lebensmittelbeschneidungen, das alljährliche Gemeindefest zu Pfingsten auszurichten. Aus dem Kokusnussschießen wurde kurzerhand ein Blumenkohlschießen, auch wenn hier die Lager gespalten waren, ob die Verschwendung zu rechtfertigen sei. Auch am traditionellen Kuchenstand war Kreativität erforderlich, denn Zucker und Butter waren rar.

"Stella räusperte sich und nickte stumm, um nicht zugeben zu müssen, dass sie trotz aller Bemühungen - fast hätte sie Mr. Castle vom Lebensmittelladen ihren eigenen Körper verkauft - gerade mal die Hälfte des benötigten Zuckersirups bekommen hatte, um genug Ingwerkuchen für die hungrige Meute zu backen." (Zitat Iona Grey "Als unsere Herzen fliegen lernten")
Nicht verwunderlich, dass Dan mit seiner Lieferung Dosenpfirsiche mitten ins Schwarze traf.

"Sonderkontingent an Versorgungsgütern. 'Alliierte Versorgungshilfe', wie wir es auch nennen. Wir möchten uns für die hiesige Gastfreundschaft bedanken und dafür sorgen, dass gewisse Mangelwaren unter die Bevölkerung gebracht werden." (Zitat Iona Grey "Als unsere Herzen fliegen lernten")

London war als bedeutendste Metropole Englands schon immer der wichtigste Angriffspunkt für Hitler. Doch trotz all der Entbehrungen und Einschränkungen, die der Krieg mit sich brachte, haben die Menschen nicht die Hoffnung verloren und versucht das Beste daraus zu machen.

"Wir stecken alle da mit drin, ob wir wollen oder nicht. Und wir müssen sehen, wie wir mit diesem verdammten Krieg klarkommen. Selbst Churchill hat gesagt, eine starke Moral an der Heimatfront ist unentbehrlich. Und wenn man dafür Lippenstift und ein hübsches Kleid anziehen muss - na, dann ist es eben so!" (Zitat Iona Grey "Als unsere Herzen fliegen lernten")

Bei meiner Recherche zu diesem Thema bin ich über einige Rezepte gestoßen, die zu der damaligen Zeit gekocht wurden.Um euch besser hineinversetzen zu können oder womöglich selbst mal zu probieren, wie das geschmeckt hat, habe ich euch zwei Rezepte rausgesucht, die auch im Buch erwähnt werden. Es gibt verschiedene Seiten, die sich mit dem Thema befassen und eine Dame in England hat das eine ganze Zeit lang durchgezogen und nur nach den Rezepten aus Kriegstagen gelebt und damit über 40kg an Gewicht verloren. Doch nicht nur das, sie sagt auch, dass man sehr viel Geld damit einsparen kann. Wäre das ein Anreiz?

Woolton Pie:


Quelle: Wartime Recipes
Zutaten:
zu gleichen Teilen gewürfelte Kartoffeln, Blumenkohl, Karotten und Steckrüben
3 Stangen Frühlingszwiebeln
1 Teelöffel Gemüseextrakt
1 Teelöffel Haferflocken
etwas Petersilie zum Bestreuen

Zubereitung:
Alles zusammen in einen Topf geben und soviel Wasser hinzu, dass es gearde bedeckt ist. Regelmäßig umrühren, damit es nicht am Topfboden festklebt. In das einreduzierte Gemüsewasser, welches nach dem Kochen noch übrig ist, werden die Frühlingszwiebeln und Haferflocken gegeben.
Eine feuerfeste Backform mit gehackter Petersilie ausstreuen, das gekochte Gemüse hinzugeben und durchmischen. Dann die Masse aus Gemüsewasser, Zwiebeln und Haferflocken über das Gemüse geben und in den Ofen schieben. Überbacken, bis das ganze Goldbraun ist.

Abwandlungsmöglichkeiten:
Quelle: 1940sexperiment.com
Je nachdem, wie viel man übrig hatte oder wie ergiebig die Rationierungen waren, konnte man zum Beispiel anstatt der sehr minimalistischen Soße, hier im Rezept angegeben, auch eine aus Mehl, Butter und Milch machen. Diese dann zu dem Gemüse und mit einer Haube aus zerdrückten Kartoffeln und geriebenem Cheddar Käse bedeckt alles im Ofen goldbraun überbacken.
Auch die Kartoffelschalen, die bei der Zubereitung übrig waren, wurden im Ofen mit Salz und Pfeffer gebacken und verzehrt. Verschwendung war absolut verpöhnt.

Das andere Rezept, das ich euch nicht vorenthalten möchte, ist ein Ingwerkuchen, so wie ich ihn mir bei Stella vorstelle.

Ingwerkuchen:


Quelle: Sibsey Scribblings
Zutaten:
1 Tassen Zuckersirup
2 Tassen Mehl
2 Telöffel Backpulver
1/2 Teelöffel Ingwer
1/2 Teelöffel Zimt
1/4 Teelöffel Salz
2 Teelöffel Butter/ alternativ Backfett
1 Tasse sehr heißes Wasser


Zubereitung:
Zuerst den Zuckersirup mit dem Mehl mischen, alle anderen Zutaten im Heißen Wasser auflösen und zu der restlichen Masse füllen. Alles gut umrühren und bei 190 Grad etwa 20-30 min ausbacken.


Ich hoffe, es hat euch auch Spaß gemacht, in längst vergangene Zeiten abzutauchen. Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, könnt ihr entweder meine Rezension lesen oder euch auf der Verlagsseite weitere Infos holen.
Wenn ihr mehr über die Situation während dem 2. Weltkrieg in England und der damit einhergehen Rationierung erfahren wollt, könnt ihr gerne den ausführlichen Artikel hier bei Amazon lesen.









Natürlich gibt es auch diesmal wieder etwas Tolles zu gewinnen.
Um eure Chancen auf den Gewinn
(1x Print von Iona Greys "Als unsere Herzen fliegen lernten")
zu erhöhen, beantwortet einfach jeden Tag die jeweilige Tagesfrage, denn jede richtige Antwort bringt ein Los in den Lostopf.

Ich will heute von euch wissen:

Was würde euch am meisten fehlen? Und wäre das Sparen oder Abnehmen dabei ein Anreiz dies zu probieren?



Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel:

Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschland, Österreich und Schweiz, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist.
Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass die Adresse an die Autorin/ an den Autor oder an den Verlag im Gewinnfall übersendet werden darf und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf.
Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal pro Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen.
Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
Das Gewinnspiel wird von buchreisender.de organisiert.
Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
Das Gewinnspiel endet am 20.06.2016 um 23:59 Uhr
Die Gewinnerbekanntgabe erfolgt 1 Woche nach Teilnahmeschluss

Hier nochmal ein Überblick über die einzelnen Blogtourtage:



Kommentare:

  1. Guten Morgen,
    Danke für einen interessanten Beitrag. Es muss wirklich eine schwede Zeit gewesen sein. Ich könnte mich schon einschränken in so einer Zeit. Schlimm ist es dann, wenn die Familie, Kinder wirklich hungern müssen. Vor allem darf man die Hoffnung nicht aufgeben. Und das war in dieser Zeit sicher sehr schwer.
    Liebe Grüße Bettina Hertz
    bettinahertz66@googlemail.com

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  2. Guten Morgen!

    Auf Facebook haben wir eine Gruppe für aktuell laufende Blogtouren, vielleicht magst du ja mal vorbeischauen ;)
    https://www.facebook.com/groups/981737925190683/

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Liebe Aleshanee,
      ich bin schon seit längerem in dieser tollen Gruppe und schau regelmäßig nach neuen Blogtouren. Danke, dass du meinen Beitrag dort unter der Tour gepostet hast :-)

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  3. Ich glaube das schlimmste war der Hunger und wie die Eltern versucht haben ihre Kinder satt zu bekommen. Das war eine sehr schlimme Zeit. Ich habe diese Zeit 1983 noch in der Schule durchgekommen. Dadurch konnte ich auch Jahrzehnte keine Bücher 📚 aus der Zeit lesen. Doch das Buch hat es mir angetan. Ich werde die Blogtour verfolgen.

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    1. Normalerweise lese ich auch keine Geschichten die im Krieg spielen, doch dieses Buch ist zauberhaft. Etwas ganz anderes und der Krieg ist nicht so dominant, dass er die Geschichte schwermütig macht. Wirklich genial umgesetzt.

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  4. am meisten würden mir wohl die leckeren Kuchen und Torten fehlen und die kleinen Süßigkeiten für zwischendurch-ohne das würde ich keine Ahnung wohl schon rinde knabbern! ;-)
    LG Jenny
    jspatchouly@gmail.com

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  5. Dass muss eine echt schlimme Zeit damals gewesen sein und mir würde so vieles fehlen: Das Essen vor allem, und das es nur das nötigste gibt, keine Vergnügungen mehr, die schlimme Angst usw.

    Liebe Grüße,
    Daniela

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  6. Hallo ,

    toller und interessanter Beitrag .
    Ich glaube mir würde am meisten fehlen Wasser , Seife
    und Essen.

    Liebe Grüße Margareta Gebhardt ( Stern44 )
    margareta.gebhardt@gmx.de

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  7. Huhu,
    danke für den schönen ausführlichen Beitrag. Mir würde auch am meisten gesundes Essen fehlen!!
    LG Madita

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  8. Hallöchen. :)
    Danke für den interessanten Beitrag zur Blogtour. :)
    Also ich glaube, mir würde auch das Essen am meisten fehlen, weil man es ja anders gewohnt ist.
    Alles Liebe,
    Katja

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