Montag, 14. Dezember 2015

Rezension zu Christian Grass "Der Irrweg... des Herrn Karl"

Bewertung 5 Sterne

Inhalt: 

Karl Wegmann ist 48 Jahre alt, Inhaber dreier Souvenirläden und unglücklich verheiratet. Gefangen in einer lieblosen, kleinbürgerlichen "Scheinexistenz", träumt er von Liebe, Glück und persönlicher Zufriedenheit. Als der innere Druck letztendlich zu hoch wird, folgt er einer dubiosen Internetbekanntschaft nach Marokko. Dort nimmt auch das Drama seinen Lauf, als er dem deutlich jüngeren Touareg Abdu begegnet, den er wie eine Art Guru verehrt. Auf seiner verzweifelnden Suche nach Geborgenheit und Akzeptanz, läuft er geradezu in sein Verderben....

Charaktere: 

Christian Grass hat mit Karl Wegmann einen wundervoll realistischen Protagonisten erschaffen. Von der ersten Seite an hat man einen direkten Einblick in das triste und lieblose Leben des Herrn Wegmann und hofft, dass er es endlich schafft, der Enge des schweizerischen, kleinbürgerlichen Gesellschaftsideals zu entfliehen. Gepeinigt von einer ihn demütigenden Ehefrau und einer gehässigen Schwiegermutter, ohne die Unterstützung "wahrer" Freunde, bleiben Karl Wegmann nur seine Träume. Hin und her gerissen zwischen Wünschen und Realität begleitet der Leser den "Antihelden" Wegmann auf seiner schicksalhaften Reise.

Schreibstil: 

Die Geschichte wird aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers beschrieben, der einen direkt und schonungslos in das Leben des Protagonisten einführt. Die Situationen, Orte und Charaktere sind sehr plastisch und facettenreich beschrieben, so dass man mitfühlt und die emotionale Achterbahnfahrt der Hauptfigur nachempfindet. Die Sprache, die der Autor benutzt, ist direkt und gradlinig, was dem Buch die nötige Portion Realismus verleiht. Die unterschiedlichen Stimmungszustände und Lebenssituationen werden sprachlich perfekt untermalt, so dass der Leser durch die Seiten gleitet. Man merkt sofort, dass der Autor sein Handwerk versteht und auf unterhaltsame Weise gesellschaftskritische Themen anschneidet.

Fazit: 

Christian Grass hat auf wundervolle Weise eine Geschichte kreiert, die sich spannend mit dem Thema Realität versus Traum auseinandersetzt. Mich hat er Roman gefesselt und ich konnte das Buch nur schwer zur Seite legen, auch wenn der Protagonist die unterschiedlichsten Gefühle in mir geweckt hat. Die Lebensgeschichte des Protagonisten hat mir vor Augen geführt, dass man seine Träume leben und nicht sein Leben träumen sollte. Lass dich nicht von deinen Wünschen beherrschen, denn nur eine gezielte Selbstkontrolle führt zum Erfolg. Vielleicht wäre Karls Leben erfolgreicher verlaufen, wenn er sich in einem anderen sozialen Umfeld bewegt hätte. Ein Drama, das zum Nachdenken anregt. Sehr empfehlenswert.

1 Kommentar:

  1. Liebe Martina,

    das Buch scheint wirklich sehr interessant zu sein... Ich bin dir gleich mal als Follower geblieben.
    Besuch mich doch auch mal
    Kaminzimmer - Die fabelhafte Welt der Bücher

    LG Franziska

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